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Sonntag, 10. Juli 2016

Das Spiel der höfischen Liebe


Das „Spiel der höfischen Liebe“ war eine Art Verhaltenskonzept, welches an Europas Höfen betrieben wurde und somit Einfluss aus die vorherrschende Etikette hatte. Einige LiteraturforscherInnen halten das Konzept der höfischen Liebe, jener Zeit als hohe Liebe bezeichnet, für eine irreale Konstruktion, die es aber so gar nicht gegeben hat. 

Nun, so einfach ist es nicht. Mag dieses Konzept, welches vielleicht nur der mittelalterlicher Literatur entsprungen war, zunächst nicht existiert haben – und darüber sind sich HistorikerInnen wie LiteraturwissenschaftlerInnen uneinig – so lässt sich zumindest feststellen, dass es zur Zeiten der Renaissance durchaus betrieben wurde. So mag der Ursprung durchaus bestritten werden, aber das die Literatur sich schließlich im realen Benehmen am Hof manifestierte, ist nicht zu leugnen.

Aber fangen wir von vorne an: Was ist höfische Liebe eigentlich? Es ist eine Art Verhaltenskonzept, welches sich aus der Minneliteratur ergab und die Verhaltensregeln des Hoflebens beeinflusste. Sozusagen ein spielerischer Flirt, der zum guten Ton an den meisten Höfen Europas – selbst noch während der Renaissance – gehörte. Höfische Liebe war gewissermaßen eine Art Spiel, was von den Höflingen gespielt wurde und in dem um die ausgewählte Dame am Hof geworben wurde. Dies geschah mit eigens für sie verfassten Gedichten, komponierter Musik oder mit einen ihr gewidmeten Sieg bei einem Turnier. Dabei erwählte man die Dame nicht aus romantischen Gefühlen oder mit dem Ziel,  mit ihr körperlich intim zu werden – wobei beides nicht ausgeschlossen war. Im Grunde genommen ging es darum, dass ein Höfling eine Dame umwarb, die ihn meist im Rang höher oder bereits verheiratet war und somit theoretisch unerreichbar blieb. Der Herr umgarnte seine Auserwählte als ihr unterwürfiger Diener, und die Angebetete konnte entweder mit schüchterner Ermutigung oder grimmiger Missachtung reagieren. 

Wozu der ganze Aufwand, wenn echte Zuneigung kein Anlass war? Auch hierrüber streiten sich die Gelehrten noch immer. Zum einen wird sie als eine Art Disziplinierungsmaßnahme für junge Herren gesehen, die so lernen sollen ihre Leidenschaft zu zügeln, aber auch gleichzeitig um den Kopf des Hofes, zum Beispiel der König, zu zeigen, dass sie treue und devote Untertanen war – schließlich diente man nur einer Herrin gleichzeitig. Damit erhält die höfische Liebe einen erzieherischen Charakter, bei dem die Herrin ihren meist jungen Diener zur Maßhaltung erzieht. In wie fern das ganze schließlich die Sexualität verschleiern sollte, kann man auch nicht mehr sagen. Es wäre allerdings vorschnell geurteilt, wenn man bei dem Gedanken von Herrin und Diener an Emanzipation denkt. Die meisten Schriften zu diesem Bereich waren zu tiefst misogyn und die Frauen waren mehr das Lockmittel für einen Konkurrenzkampf junger Herren, die sich gegenseitig übertreffen wollten um die Dame für sich zu gewinnen. Gleich, wie genau es zu deuten ist, hatte die höfische Liebe immer etwas mit Gefahr zu tun, denn selbst wenn der Wettkampf nicht in Turniere gimpfelte, so war es immer ein Spiel mit den Feuer, denn aus der symbolischen Anbetung der Dame konnte eine echte werden ebenso wie umgekehrt. Wenn besagte Dame verheiratet war, so konnte das für beide Parteien ein unerfreuliches Ende nehmen.

Georges Duby hat hierzu ein schematisches Modell zur höfischen Liebe als Erziehungsmodell entwickelt, dass ganz gut die Übersicht dieses Themas beschreibt:
  1. Es umfasst einen Mann, meist „Jüngling“ genannt. Der Ausdruck kann einerseits als Fachausdruck der damaligen Zeit für einen Mann ohne rechtmäßige Ehefrau betrachtet werden, ebenso wie für ein junger Mann, der in der Tat seine höfische Erziehung noch nicht abgeschlossen hat. Der Jüngling bestrebt die Dame zu erobern.  
  2. Besagte Dame, in der Regel verheiratet und daher unerreichbar, hatte aufgrund ihres Geschlechts generell eine schlechtere Position innerhalb der Gesellschaft, denn sie konnte nicht an der gesellschaftlichen Macht partizipieren wie ein Mann. Über die wenig erfreuliche Stellung der Frau jener Zeit dürfte inzwischen jeder informiert sein, sodass ich mir hier weitere Ausführungen spare. Die Funktion der erwählten Dame war in diesem Zusammenhang, dass sie den Eifer des Jünglings anregen sollte, der sich in Wettkämpfen behaupten und somit seine Leistungen steigern sollte.   

So, und woher kam jetzt dieses Konzept genau? Die genauen Ursprünge bleiben unklar und in wieweit die Dichter ihre Inspiration aus dem realen Benehmen der Adligen herleiteten oder ob es als „Soll-Zustand“ oder schlichtweg aus künstlerischer Gestaltung entstand, wird wohl ein Rätsel bleiben. Zumindest speist sich dieses Konzept aus der literarischen Tradition der Troubadoure Westeuropas des 12. und 13. Jahrhundert. Es findet sich auch kein einheitliches Quellenbild; Manche Dichter haben andere Schwerpunkte gewählt und beziehen sich mehr auf den Aspekt der Waffenkunst. Es gibt durchaus Texte, indem es nicht nur bei der Anbetung der Liebsten bleib und es war ebenso nicht zwingend erforderlich, dass es sich um eine ranghöhere Dame handeln müsse. Es ist allerdings soweit festzuhalten, dass die unerfüllte Liebe als höchste Form der höfischen Liebe betrachtet wurde.



  • BORDO, Susan (2014): The Creation of Anne Boleyn – A new look at England´s most notorious queen, Boston und New York (USA)
  • BUMKE, Joachim (2008): Höfische Kultur – Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, München
  • DUBY, Georges (2002): Die Frau ohne Stimme – Liebe und Ehe im Mittelalter, Berlin
  • LOADES, David (2009): The Tudor Queens of England, Cornwall (England)
  • LOADES, David (2012): The Boleyns – The Rise & Fall of a Tudor Family, Gloucestershire
  • IVES, Eric (2005): The life and death of Anne Boleyn `the most happy`, Malden(USA);  Oxford (England); Victoria (Australien)
  • WEIR, Alison (2008): Henry VIII – King and Court, London (England)

Mittwoch, 20. April 2016

Magazine

Immer wieder finden sich in einzelnen Zeitschriften Beiträge zur Renaissance und jetzt habe ich gleich drei verschiedene Zeitschriften, die mehr oder weniger viel "renaissanciges" enthalten ist. 

1)  Karfunkel Combat, Ausgabe Nr. 12
Auch wenn ich sie noch nicht ganz durchgelesen hab, so kann ich sie jetzt schon für alle Interessierten empfehlen. Ich habe sie vor allem wegen den Artikeln zum englischen Rosenkrieg und zu Leonardo da Vincis Kriegsgeräten gekauft. Aber auch die Berichte zur Geschichte der Belagerung - die natürlich auch die Renaissance beinhalten - sind einen Blick wert. Obwohl sich mein Wissen dazu in Grenzen hält, lassen sich die Berichte gut und verständlich lesen und sind nicht nur für Militärgeschichtsinteressierte bereichernd.


2 )  G/Geschichte, Ausgabe 01/2016
Diese Ausgabe läuft unter dem Titel "Die Welt des Medicus - Hebammen, Bader, Mönche" und bietet einen guten Einstieg in die spannende Medizingeschichte. Auch wenn der Fokus scheinbar auf dem Mittelalter liegt, so wird wie so oft die Renaissance mit darunter verstanden. Dennoch empfehlenswert als Einstieg in die Thematik!

3) P.M. History, Ausgabe 5/2016
Dieses Exemplar habe ich erst heute besorgt. Dass Geschichtszeitschriften auf dem Erfolgszug der Serie Game of Thrones aufspringen, liegt auf der Hand. Jeder, der sich auch nur ein bisschen mit den englischen Rosenkriegen und der Serie auskennt - und ich meine wirklich nur ein bisschen - ist der Zusammenhang unlängst klar. Ich bin gespannt, wie das Ganze aufgezogen wird.



Grundsätzlich muss ich allerdings bei den meisten Geschichtsmagazinen etwas bemägeln: Oft wird nicht ganz klar, auf welchen Bereich sich die Informationen genau beziehen. Will sagen, dass zumeinst nicht klar wird, in welchen Fällen die besagten Informationen zutreffen: Spricht ein Artikel zum Beispiel zur Tätigkeit für die meisten Länder Europas oder wird sich nur auf bestimmte Regionen bezogen - Man weiß es einfach nicht. Mir ist oft rätselhaft, ob der Artikel die damalige Situation in Gesamteuropa umfasst, oder ob die AutorInnen sich nur auf Deutschlands Geschichte beziehen. Daraus speist sich auch die mangelnde Zeiteinordnung; Oft wird vom Mittelalter berichtet, wobei zahlreiche Daten wie 1536 eindeutig zur Renaissance zu zuordnen sind. Das ist schade, so dass ich interessante Artikel oft nur aufgrund meines vorherigen Wissens in konkreteren Kontext zu ordnen kann. Vielleicht ist mein Anspruch zu hoch, oder es speist sich aus meinen Beruf als Wissenschaftlerin, aber mir fehlen oft genauere Eingrenzungen.

Samstag, 2. April 2016

3sat Dokumentation"Das Shakespeare Rätsel"




Heute läuft um 23.10 auf  3sat die Dokumentation Das Shakespeare Rätsel, welche der Theorie nachgeht, das Shakespeare eigentlich der englische Schriftsteller Christopher Marlowe war, der seinen Tod vortäuschte und unter diesem Namen weiterschrieb.

Die Dokumentation ist von 2011 und somit nicht aktuell. Ich habe sie auch noch nicht gesehen und bin gespannt, wie sie ist. 

Wer hat den Bericht schon gesehen? Wer mag seine Meinung kundtun? Was haltet ihr von der Theorie?